Projektwoche am Sartre-Gymnasium: Zählen Autos mehr als Menschenleben? 

In dieser Woche fand am Sartre-Gymnasium in Hellersdorf eine Projektwoche statt, in der die Schüler*innen sich mit dem Thema Umwelt auseinandersetzten. Die Projektgruppe „I want to ride my bicycle“ beschäftigte sich unter der Anleitung von Herrn Lukas Bothe und Herrn Angelo Brienza speziell mit dem Thema Fahrradmobilität. Das Netzwerk Fahrradfreundliches Marzahn-Hellersdorf freut sich sehr darüber, dass das Thema in diesem Rahmen aufgegriffen wurde. Neben einem Besuch der Ausstellung „Wahnsinn – Illegale Autorennen. Wie stoppen wir den Temporausch?“ im Deutschen Technikmuseum, unternahm die Gruppe auch mehrere Ausflüge mit dem Fahrrad durch unseren Bezirk. Die am 7. April 2022 veröffentlichte Pressemitteilung zitieren wir am Ende dieses Artikels (1).

Ein besonderes Augenmerk galt der Sicherheit von Radfahrenden und der Diskussion von Gefahrenstellen. Leider fanden sich diese sehr schnell, befindet sich das Sarte-Gymnasium doch in unmittelbarer Nähe der Zossener Straße. Besonders die Kreuzung Zossener Straße/ Alte Hellersdorfer Straße ist immer wieder Schauplatz von Unfällen, wie den Pressemitteilungen der Berliner Polizei zu entnehmen ist. Auch wir berichten auf Twitter unter dem Hashtag #ZossenerStraße immer wieder über Probleme. Zuletzt auffällig war die sehr gefährliche Einrichtung einer Großbaustelle, die die Sperrung des Gehwegs zur Folge hatte. Auch der provisorisch angelegte geteilte Geh- und Radweg war immer wieder blockiert, so dass zu Fuß gehende und Rad fahrende in den Straßenraum treten mussten. Mehrfache Nachfrage unsererseits ergab, dass sich weder das Straßen- und Grünflächenamt Marzahn-Hellersdorf noch die zuständige Stelle in der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz in der Verantwortung in der Verantwortung sahen einzugreifen. Zusätzlich kritisieren wir im bezirklichen FahrRat immer wieder den Zustand der begleitenden, benutzungspflichtigen Radwege. Demgegenüber steht, dass auf der Zossener Straße tatsächlich Raum vorhanden wäre, um den Radverkehr zu stärken, da sie mit vier Fahrstreifen ausgestattet ist. Allerdings dient ein Großteil der Fläche als regelmäßiger Abstellplatz von gewerblichen Nutzfahrzeugen. Das Mittel eines Popup-Fahradweges wurde im Bezirk noch nicht ein einziges Mal angewendet. Dabei ist absehbar, dass auch auf der Zossener Straße etwas geschehen muss, denn das Berliner Mobilitätsgesetz schreibt an allen Berliner Hauptstraßen begleitende Radwege in einer Breite von 2,30 m mit erschütterungsarmem Belag vor.


Der Wuhletalwanderweg eröffnet glücklicherweise einen Korridor, in dem sicheres Radfahren möglich ist. Wie die Projektgruppe betont, sind es vor allem die Querungen an der Eisenacher Straße und der Cecilienstraße, die noch ein großes Gefahrenpotenzial bergen. Wir können ergänzen: Auch flußabwärts sind die Übergänge unsicherer als wegen der häufigen Benutzung geboten. Zur Unterführung unter der B1/B5 gab es im Juni 2021 einen Ortstermin sowie einen Beschluss des FahrRats. Die Absicherung der Querung an der Heesestraße/ Heerstraße ist seit langem ein Wunsch der Fuchsberg-Grundschule und auch an der Zimmermannstraße bietet sich ein ähnliches Bild. Einzig die Altentreptower Straße am S+U Bahnhof Wuhletal ist mit einem Fußgängerüberweg ausgestattet und ist leider ein Unfallschwerpunkt.

Wir möchten uns bei der Projektgruppe des Sartre-Gymnasiums für die Beleuchtung des Themas bedanken. Dieser Beitrag leistet wertvolle Einblicke in die Alltagsmobilität zu Fuß und mit dem Fahrrad, denn eines muss das Fahrrad sein: Teil des Alltags. Nur so lassen sich unsere Mobilitätsprobleme nachhaltig lösen und klimaschädliche Emissionen reduzieren: durch eine deutliche Reduktion des motorisierten Individualverkehrs. Dazu braucht es ein Angebot an sicheren Fahrradwegen, die ein dichtes Wegenetz bilden. Mit dem Radverkehrsplan wurde zwar bereits ein solches Netz unter Berücksichtigung von Radschnellverbindungen (RSV), Vorrangrouten und einem Ergänzungsnetz vorgestellt. Welche Teile davon bis zum Jahr 2030 umgesetzt sein werden, ist weiter fragwürdig.

Das Netzwerk Fahrradfreundliches Marzahn-Hellersdorf


(1) Zählen Autos mehr als Menschenleben? 

Hellersdorfer Schüler*innen dokumentieren Gefahren im Radverkehr. Zählen Autos mehr als Menschenleben? Und warum kommen nur wenige Lehrer*innen mit dem Rad zur Schule? Diese Fragen stellten sich 17 Schüler*innen des Sartre-Gymnasium in Marzahn-Hellersdorf. Im Rahmen einer Projektwoche zum Thema Umwelt vom 1. bis 7. April überprüfte die Projektgruppe “I want to ride my bicycle” die Sicherheit der Radwege im Bezirk. Gefahren lauern z.B. auf der Zossener Straße, deren Kreuzungen oft schlecht einsehbar und deren Radwege sanierungsbedürftig sind. 

Schockiert zeigten sich die Schüler*innen über die ungesicherten Übergänge des Wuhletal-Wanderwegs an der Eisenacher und Cecilienstraße. Dort werden Autofahrer*innen zwar auf Bodenwellen hingewiesen, um Blechschäden zu vermeiden, aber nicht vor kreuzenden Radfahrer*innen und Fußgänger*innen gewarnt.
 
Schöne oder zumindest sichere Radwege entdeckten die Sartre-Schüler*innen auch: am S-Bahnhof Springpfuhl, abseits der großen Straßen in Biesdorf, im Landschaftspark Herzberge und im Brandenburger Umland nördlich des Bezirks. 

Das Fazit der Projektwoche lautet: Der Autoverkehr hat fast überall Vorfahrt – die Radwege im Bezirk sind bestenfalls mittelmäßig. 

Pressemitteilung der Projektgruppe „I want to ride my bicycle“ des Sartre-Gymnasiums

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